Künstliche Intelligenz zwischen Hype und Hysterie

Fachbeitrag von Jack Klaassen

Der Zugang zu generativen KI-Modellen für die breite Öffentlichkeit gleicht einem gesellschaftlichen Erdbeben, ja, beinahe dem Durchbruch der vielbeschworenen vierten industriellen Revolution. Ist die Künstliche Intelligenz damit die moderne Dampfmaschine, die zur damaligen Zeit tiefgreifende Veränderungen der Arbeitsweisen und sozialen Strukturen einläutete? Vielleicht. Aber eines ist mehr als deutlich: KI-Modelle wie ChatGPT haben das Potenzial, die Art und Weise, wie wir arbeiten und kommunizieren, für immer zu verändern.

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Gemessen an diesem digitalen Paukenschlag ist es wenig verwunderlich, dass ein breiter Diskurs über den Einsatz der Technologie nicht ausbleibt. Ein tieferer Blick in die Diskussion zeigt allerdings ein verzerrtes Bild – denn weder ist das Konzept neu, noch die Kritik daran. Es ist kaum zu glauben, aber das Konzept der Künstlichen Intelligenz existiert bereits seit den 1940er Jahren, wir reden also von Jahrzehnten der intensiven Forschung und Entwicklung. Und trotzdem scheint es, als würden wir immer noch auf einem Drahtseil balancieren, uns unsicher angesichts der Risiken und Chancen dieser Technologie fühlen. Zugegeben, seit dem Auftauchen der ersten primitiven Chatbots in den 1960er und 1970er Jahren haben das zunehmende Verständnis über die Funktionsweise von neuronalen Netzwerken sowie neue Ansätze wie das maschinelle Lernen und Deep Learning das Thema KI auf ein völlig neues Level gebracht. Das ist zweifellos beeindruckend und aufregend. Inmitten dieser technologischen Wunder und des rasanten Fortschritts gibt es aber zumindest eine Konstante: die Kritik daran. Prominente Stimmen wie die von Elon Musk bezeichnen die Künstliche Intelligenz schon seit vielen Jahren als unsere größte existenzielle Bedrohung und verlangen strenge Regeln für ihren Einsatz. Während diese Warnungen in vielen Ohren übertrieben und nach Panikmache klingen, sollten wir nicht vergessen, dass Kritiker wie Musk oder Stephen Hawking einen Punkt haben könnten. Die Frage ist, ob wir bereit sind, zuzuhören.

Wie wir aus der Vergangenheit wissen, liegt die potenzielle Gefahr einer neuen Technologie nicht in der Technologie selbst, sondern darin, wer sie wofür einsetzt. Es ist daher an uns, einen ausgewogenen gesellschaftlichen Diskurs zu führen, die moralischen Grundpfeiler für KI-Modelle festzulegen und eine passende Gesetzgebung zu entwerfen. Denn trotz aller Fortschritte der letzten Jahre kratzen wir aktuell lediglich an der Oberfläche von dem, was möglich ist. Zukünftig stehen den Modellen noch mehr Daten zur Verfügung und komplexere Technologien werden mit der wachsenden Rechenleistung von Computern völlig neue Einsatzbereiche eröffnen. Ob im medizinischen Sektor, bei intelligenten Energiesystemen, autonomen Fahrzeugen, komplexer Sprach- und Textverarbeitung oder automatisierten Fertigungsprozessen in der Industrie, um nur einige Beispiele zu nennen – KIs können unseren Alltag vollkommen verändern. Damit es sich dabei um positive Veränderungen handelt, müssen wir jetzt die Weichen stellen. Dabei sind Horrorszenarien und das Schüren von Ängsten sicherlich nicht angebracht, vielmehr geht es um den ethisch vertretbaren Weg, den wir alle gemeinsam mit den großen Chancen, die KIs uns bieten, gehen werden. Denn diese sind mehr als zahlreich.

Es ist eine spannende Zeit. Die Entwicklung von neuen Technologien ist in voller Fahrt und nimmt weiter Geschwindigkeit auf. Unser aller Aufgabe, und besonders die der Politik, ist es dabei, die richtige und ethische Strecke zu nehmen und das Ziel einer vielversprechenden Zukunft nicht aus dem Blick zu verlieren.

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Posted on Nov - 12 - 2023 customer-knowledge-management

Künstliche Intelligenz: Hoffen statt Bangen – So denken Unternehmen über ChatGPT

Fachbeitrag von Benedikt Bonnmann

Spielzeug oder Game Changer? Millionen von Menschen nutzen ChatGPT ganz selbstverständlich im Alltag, der Erfolg des Sprachmodells hat viele überrascht. Der IT-Dienstleister adesso hat nun Entscheiderinnen und Entscheider in deutschen Unternehmen zu ihren Erwartungen und Erfahrungen, Plänen und Prognosen befragt. Das Ergebnis: KI kommt – und Bedenken gibt es wenige. ?

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Seit das amerikanische Unternehmen OpenAI seinen Textgenerator ChatGPT ohne große Vorankündigung zugänglich gemacht hat, ist das Thema Künstliche Intelligenz so präsent wie nie. Der Chatbot findet Probleme in Softwarecode, macht Vorschläge für Excel-Formeln oder schreibt ganze Blog-Beiträge. In Rekordzeit hat das Sprachmodell die Grenze von 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzern erreicht und setzt damit selbst in einer so Hype-verliebten Branche wie der IT neue Maßstäbe. Für Unternehmen liefert ChatGPT eine einfache, intuitiv bedienbare Nutzerschnittstelle, die es Fachabteilungen erlaubt, ohne Technikwissen und aufwendige Integration neue Möglichkeiten auszuprobieren. adesso wollte von Führungskräften wissen, was sie von dem Chatbot halten.



Die zentralen Ergebnisse der Studie im Detail:

  • ChatGPT rennt offene Türen ein. Die meisten Unternehmensverantwortlichen spüren, dass mit generativer KI ein fundamentaler Wandel auf sie zukommt. Eine überwältigende Mehrheit von 90 % setzt sich bereits mit den Möglichkeiten von Modellen wie ChatGPT auseinander. 71 % der Befragten geben der Lösung zudem in puncto Leistungsfähigkeit die Note „gut“ oder „sehr gut“.
  • Von Null auf 100. Immerhin 51 % können sich vorstellen, die Anwendung direkt in die eigenen Abläufe zu integrieren. Ob dieser Begeisterung auch reale Use Cases folgen, werden die nächsten Monate zeigen. Was die möglichen Einsatzszenarien betrifft, liegt der Support für die meisten auf der Hand. Nicht ganz so kluge Chatbots sind in der Kundenkommunikation ja bereits im großen Maßstab im Einsatz. 53 % planen hier in der nächsten Zeit Projekte. Auf den weiteren Plätzen folgen Rechercheaufgaben (46 %), Erstellen von Inhalten für die interne Kommunikation (42 %), Datenanalyse (40 %) sowie Content für Webseiten oder Mailings (39 %).
  • Bei aller Euphorie – Kontrolle ist erwünscht. Trotz der Begeisterung für die Möglichkeiten, die sich durch Sprachmodelle wie ChatGPT ergeben, sehen 62 % der Befragten die letzte Entscheidung in KI-gestützten Prozessen immer noch in der Hand von Menschen. Zudem wünschen sich 55 % eine europäische Alternative mit vergleichbarer Leistungsfähigkeit, um so DSGVO-Konformität und Datensouveränität zu gewährleisten.
  • Kollege KI wird sehnsüchtig erwartet. Die Technologie schürt nicht nur hohe Erwartungen bezüglich effizienterer Prozesse durch Automatisierung – 59 % der Unternehmensentscheider glauben, dass ChatGPT ein Instrument sein kann, um den Fachkräftemangel zu lindern. Besonders überzeugt davon sind die Verantwortlichen in der Marketingabteilung: Hier stimmen 92 % der Aussage zu.
  • „German Angst“? Fehlanzeige! Der Chatbot präsentiert in einigen Fällen falsche Fakten oder erfindet Quellen. Für solch fragwürdige Ergebnisse hat sich inzwischen der Begriff „halluzinieren“ eingebürgert. Während Experten noch ausführlich über die Schwächen von ChatGPT diskutieren, überwiegt bei den Anwendern das Vertrauen: 52 % glauben den Ergebnissen, die der Chatbot liefert. Genauso viele fühlen sich in der Lage, die Korrektheit der Antworten zu beurteilen. Ob sie mit dieser Einschätzung richtigliegen oder sie sich von der Selbstsicherheit, mit der ChatGPT alles beantwortet, blenden lassen, bleibt offen. Auch Sicherheitsbedenken bezüglich der Interaktionsdaten hat die Mehrheit (55 %) nicht.

„Die Ergebnisse unserer Umfrage lassen nur einen Schluss zu: Anwendungen wie ChatGPT werden sich in kurzer Zeit in Unternehmen verbreiten“, erklärt Benedikt Bonnmann […] „Die Verantwortlichen sind jetzt bereits geradezu euphorisch. Haben die KI-Anwendungen erst einmal ihre Kinderkrankheiten überwunden, sind den Einsatzszenarien kaum Grenzen gesetzt. Unternehmen, die sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen, werden langfristig erfolgreicher sein als die, die den Wandel ignorieren.“

Quelle: https://www.wissensmanagement.net/themen/artikel/artikel/hoffen_statt_bangen_so_denken_
unternehmen_ueber_chatgpt.html?no_cache=1

Posted on Mai - 28 - 2023 customer-knowledge-management

Die vier Säulen einer erfolgreichen KI-Strategie

Fachbeitrag von Florian Lauck-Wunderlich

Künstliche Intelligenz weckt in vielen Unternehmen enorme Erwartungen. Um aber nicht nur „irgendwas mit KI“ zu machen, sondern die Zukunftstechnologie zielgerichtet für den Unternehmenserfolg einzusetzen, brauchen sie eine KI-Strategie.

Bildquelle: (C) Gerd Altmann / Pixabay

Von der Verwendung des Begriffs „KI“ als Schlagwort und der Hoffnung auf eine Verbesserung von Produkten und Services bis zum erfolgreichen Einsatz der Zukunftstechnologie in sinnvollen Implementierungen durchlaufen Unternehmen in der Regel eine Entwicklung. Eine KI-Strategie ist Voraussetzung, diese Entwicklung zu beschleunigen und den vollen Nutzen aus KI zu ziehen.

Nach Erfahrung […] beruht eine KI-Strategie auf vier Säulen, die das C-Level-Management aufbauen, stärken und orchestrieren muss:

  1. Anwendungsfälle: KI ist kein Selbstzweck und trägt erst dann zum Unternehmenserfolg bei, wenn sie im richtigen Kontext eingesetzt wird. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die kontinuierliche Identifizierung strategischer Anwendungsfälle – schließlich sollen sich die KI-Aktivitäten nicht nur auf einige Pilotprojekte beschränken, sondern Prozesse, Produkte und Dienstleistungen immer weiter verbessern. Dafür muss KI fest in die Betriebsmodelle und damit verbundenen Abläufe integriert werden, insbesondere in die Produkt- und Service-Lebenszyklen. Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess hilft, stetig neue Anwendungsfälle zu identifizieren, die dann bewertet und priorisiert werden – unter anderem nach Nutzen, Kosten und Machbarkeit.
  2. Mitarbeiter: KI ist kein reines Technologiethema, denn die Entwicklung und der Einsatz einer verantwortungsvollen KI erfordert neue Fähigkeiten und Spezialisten. Die Aufgabe von KI-Experten ist indes nicht allein, eine KI zu entwickeln und zu trainieren, sondern den Menschen auch zu erklären, wie sie funktioniert und wie sie sich auf den Arbeitsalltag und die Gesellschaft auswirkt. Mitarbeiter müssen den Nutzen von KI-Systemen für ihre Tätigkeiten und den Unternehmenserfolg kennen, damit sie die neuen Tools annehmen und deren Empfehlungen vertrauen. Diese Transformations- und Veränderungsprozesse brauchen Zeit und gelingen nur in enger Zusammenarbeit mit der Personalabteilung.
  3. Daten: Ohne Daten keine KI – so lautet die einfache Wahrheit. Für jeden Anwendungsfall müssen Unternehmen klären, ob sie über die zur Umsetzung benötigten Daten verfügen oder sich diese beschaffen lassen. Mit den wachsenden Datenmengen steigen jedoch die Anforderungen an das Datenmanagement und die Data Governance – beides Disziplinen, die bisher oft vernachlässigt wurden. Unternehmen brauchen einen strategischen Ansatz, um die Datenqualität zu steigern, Daten verfügbar zu halten und dort mit ausreichender Performance bereitzustellen, wo sie gebraucht werden. Dabei müssen sie Daten vor Missbrauch und Verlust schützen und Sorge tragen, dass regulatorische und gesetzliche Vorgaben wie die DSGVO eingehalten werden. Die Auswahl geeigneter Architekturen und Plattformen ist hier der Schlüssel.
  4. Center of Excellence: Mit einem Center of Excellence (CoE) lassen sich KI-Initiativen in Unternehmen schneller und erfolgreicher vorantreiben. Im CoE KI bündeln Unternehmen ihre KI-Kompetenzen, sodass qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter in allen Unternehmensbereichen bei KI-Projekten unterstützen können. Sie helfen bei der Identifizierung von Anwendungsfällen, der Auswahl von Tools und Plattformen, der Entwicklung und dem Training von Algorithmen, beim Betrieb der Lösungen sowie beim Projektmanagement. Experten bringen Best Practices ein, wissen, was funktioniert, und wo Stolperfallen lauern. Zugleich trägt das CoE dazu bei, KI-Talente im Unternehmen zu entdecken und weiterzuentwickeln – immerhin sind KI-Spezialisten rar und im freien Markt nur schwer zu gewinnen.

„KI hat das Hype-Stadium längst verlassen und sich in unzähligen Anwendungsfällen bewährt“, betont Florian Lauck-Wunderlich, […] . „Es ist deshalb höchste Zeit, dass Unternehmen das Thema koordiniert angehen und ihre Ressourcen nicht länger in unzähligen, unabhängig voneinander laufenden Projekten und Initiativen vergeuden. Eine KI-Strategie hilft, alle Aktivitäten in geordnete Bahnen zu lenken und KI zielgerichtet für den langfristigen Unternehmenserfolg einzusetzen.“

Quelle: https://www.wissensmanagement.net/themen/artikel/artikel/die_vier_saeulen_einer_
erfolgreichen_ki_strategie.html

Posted on Dez - 10 - 2022 customer-knowledge-management